Mit indexbasierter Ressourcenzuteilung zu mehr Verteilungsgerechtigkeit und Bildungserfolg?

 

Im österreichischen Schulwesen werden Ressourcen für Schulen pro Kopf zur Verfügung gestellt. Zusätzliche Förderungsmittel werden zur Verfügung gestellt, wenn einem Kind Sonderpädagogischer Förderbedarf zuerkannt wird oder beispielsweise für Sprachförderung. Unterschiedliche Belastungen von Schulen wie beispielsweise die soziale Herkunft der Schüler und Schülerinnen bleibt weniger berücksichtigt. Mehr Verteilungsgerechtigkeit und Bildungserfolg erwartet man sich durch sozial indizierte Ressourcenmodelle.

Das BZIB inizierte und moderierte mit den als inklusiven Modellregionen definierten Bundesländer Tirol, Steiermark und Kärnten in den Studienjahren 2016 und 2017 vier Arbeitstagungen. Ziel war es, ein effizientes und bedarfsgerechtes Modell zur Ressourcenzuteilung zu entwickeln, wie es im entsprechenden Erlass des  BMB gefordert wurde (BMBF, 2015).

Theoretische Grundlage bildeten Modelle aus dem benachbarten Ausland (Deutschland, Schweiz und Südtirol), aber auch Modelle aus Österreich von Johann Bacher (2010) und  dem Chancenindexmodell der AK/Schüchner  (2016).

Relativ rasch zeigte sich, dass es nicht wie ursprünglich gedacht ein prototypisches Modell für Österreich geben wird, sondern sehr unterschiedliche Modelle, maßgeschneidert für die einzelnen Bundesländer. Damit können die regionalen Bedürfnisse (z. B. Stadt- Landgefälle) und die gewachsenen Strukturen am besten berücksichtigt werden. Auch relativ schnell kristallisierte sich heraus, dass ein rein indexbasiertes Ressourcenzuteilungsmodell zumindest derzeit nicht realisierbar ist. Zum einen weil quer durch das Land der politische Wille nicht gegeben ist und zudem die Evidenz wie treffsicher solche Modelle sind, noch nicht vorliegt.

Aufbauend auf den Basisvorschlag von Feyerer/Wimberger wurde ein sogenanntes „Mischmodell“ entwickelt. Dieses Modell setzt sich aus drei Komponenten zusammen:

1. Sockelfinanzierung – fixer Betrag je Schulkind

2. Indexbasierter Zuschlag – Maximalbetrag (in Prozenten) ist derzeit noch nicht exakt fixiert

  • die Errechnung des Indexes könnte mit folgenden Indikatoren erfolgen: Bildung der Eltern, berufliche Position der Eltern, Geburtsort der Eltern und gesprochene Sprache im Elternhaus. Dieser „Chancenindex“ wird vom Bifie berechnet.

3. Pyramidenmodell - Sonderpädagogischer Förderbedarf

  • die Vergabe des SPF soll transparenter und treffsicherer gemacht werden. Das BZIB erarbeitet ein neues Modell in Anlehnung an das Schweizer Modell des „Standardisierten Abklärungsverfahren (SAV)“

Auf Grundlage dieser Konzeption haben die Bildungsregionen begonnen nun ihre eigenen Berechnungen zu erstellen. Im Herbst 2017 werden die ersten Berechnungen und Ergebnisse aus den Bildungsregionen erwartet. Dabei geht es nicht nur um Treffsicherheit und Wirksamkeit, sondern auch um die Erarbeitung eines Modells einer effizienten Datenerfassung bzw. Berechnung. Schon im Vorfeld hat sich gezeigt, dass nicht die Anzahl der Parameter die besten Ergebnisse bringt, sondern eine Kombination aus schulspezifischen Daten und demografische Daten, auf die relativ leicht zugegriffen werden kann (z.B. durch Statistik Austria).  

Die Ressourcen, die durch die einzelnen Modelle in den Bundesländern zur Disposition stehen sind recht unterschiedlich. Ebenso unterschiedlich ist die Auffassung mit welchen Auflagen die Ressourcen vergeben werden sollen. Was eingehend diskutiert wurde, aber noch keiner Lösung zugeführt wurde, ist die Tatsache, dass ein mehr an Ressourcen noch nicht per se ein mehr an Bildungserfolg garantiert. Parallel zu den Verteilungsmodellen müssen Maßnahmen ergriffen werden, die regeln unter welchen Bedingungen zusätzliche Ressourcen an eine Schule kommen. Es ist angedacht Schulprojekte/ -konzeptionen als Vorbedingung zu stellen. Diese Konzepte müssen dann auch einer Evaluation unterzogen werden.

Abschließend sei festgestellt, dass die prolongierten Ressourcen-Mischmodelle ausgerichtet sind auf die Verteilung der Mittel auf Schulebene (Bildungsregionen und Schulen) und nicht auf Bundesländerebene - also zwischen den Ländern. Die Befürchtungen diverser Bundesländer, dass  Ressourcen aus dem eigenen Bundesland abgezogen werden und anderen Bundesländern zukommen  ist vollkommen unbegründet.

 

Literatur:

Bacher J., Altrichter H., Nagy G.

Ausgleich unterschiedlicher Rahmenbedingungen schulischer Arbeit durch eine indexbasierte Mittelverteilung, in: Erziehung und Unterricht, Number 3-4, Page(s) 384-400, 2010.

Bundesministerium für Bildung und Frauen ( BMBF), 2015

Verbindliche Richtlinien zur Entwicklung von Inklusiven Modellregionen. Erlass GZ BMBF36.153/0088-I/5/2015 vom 3. September 2015. Zugriff am 03.07.2017 unter www.bmb.gv.at/schulen/bw/abs/rl_inklusive_modell_2015.pdf

Schnell P, Schüchner V.

Schulen gerecht finanzieren, das AK Chancen –Index Modell

Zugriff am 03.07.2017 unter http://blog.arbeit-wirtschaft.at/ak-chancen-index-modell/, Nov. 2015